Der Kupferstich, Kupferstiche im allgemeinen
DER KUPFERSTICH
Ohne Zweifel ist die Gravierung die älteste Art des Zeichnens. Schon sehr lange hatte man tief geschnittene und gravierte Zeichnungen auf Metallplatten zu verschiedenen Zwecken ausgeführt, ehe man an die Benutzung derselben als Druckplatten dachte. Die Anfänge des Tiefdruckverfahrens wie die Namen der Erfinder sind nicht bekannt. Nachgewiesen ist, daß der durch die Zerstörung der Fust-Schöfferschen Druckerei im Jahr 1462 aus Mainz ausgewanderte Buchdrucker Konrad Schweinheim und sein Kollege Pannartz im Jahre 1464 in Rom die Tiefdrucktechnik einführten.
Der lange Zeit als Erfinder geltende Florentiner Goldschmied Maso Finiguerra soll um 1450 ein Verfahren genutzt haben gestochene Kupferplatten auf Papier zu drucken. Der erste datierte Kupferstich, die Geißelung Christi darstellend, wurde in Deutschland aber schon 1446 hergestellt. Bereits davor gab es aber schon Spielkarten die um 1440 entstanden sein dürften.
Während es leicht ist, von einer Hochdruckform einen Abdruck zu nehmen, ist es sehr schwierig von einer tief geschnittenen Kupferplatte ohne Presse einen Abdruck zu nehmen.
Daher hat sich diese Technik auch sehr spät entwickelt.
DAS KUPFERSTICH WERKZEUG
Der Kupferstich beruht auf dem Tiefdruckverfahren. Der Stecher gräbt mit seinem Werkzeug, dem Grabstichel, die Zeichnung in die Kupferplatte ein. In die dadurch entstandenen Furchen wird die Druckerschwärze mit einem Druckerballen, dem sogenannten Tampon, hereingedrückt.Dann wird die Oberfläche blank geputzt, worauf man auf gefeuchtetem, wenig geleimtem Kupferdruckpapier Abzüge mittels einer Kupferdruckpresse herstellen kann.
Die Ausdrucksmöglichkeiten vom Kupferstich sind die Linie und der Punkt. Sie werden sowohl vereint als auch jedes für sich angewendet, was als Linien oder Punktstich bezeichnet wird.
Die gewalzten oder gehämmerten Kupferplatten müssen eine sorgfältig geschliffene Oberfläche haben. Die Kupferplatten sind je nach ihrer Größe 1-2 mm dick und facettiert(abgeschrägt), damit bei starkem Pressendruck der scharfe Plattenrand das Papier nicht durchschneidet.
Das wichtigste Werkzeug ist der Grabstichel, eine vierkantige Klinge aus gut gehärtetem Stahl, die vorne in einem Winkel von ungefähr 45 Grad abgeschliffen ist. Der wichtigste Teil ist natürlich die Spitze, die beiden Schneidflächen und das durch Abschliff vorn erzeugte sogenannte Schildchen. Die durch das Stechen stumpf werdende Stahlspitze muß durch Schleifen auf einem harten Ölstein ständig erneuert werden.
Die Stichelklinge wird in der eingekerbten Rinne eines Holzgriffs mit Zwingen festgehalten.Der Kopf des Stichelheftes ist ein hölzernes, unten abgeschliffenes Kugelsegment, ähnlich dem Teil eines Pilzhutes, damit die Klinge ganz flach auf dem Kupfer geführt werden kann.Je flacher die Führung, desto zarter der erzeugte Strich.Aus diesem Grunde darf kein Finger den Stichel umfassen, damit er möglichst flach geführt werden kann.Der halbkugelförmige Kopf des Hefts liegt in der hohlen Hand, wodurch der Ballen des kleinen Fingers in der Richtung der Stichelachse, deren Verlängerung jene des Unterarms ist,einen Druck ausüben kann.Mit diesem Werkzeug gräbt man Furche um Furche in das Kupfer, jedesmal einen Span heraushebend.
Der Stichel ist trotz aller technischen Fortschritte der gleiche geblieben der er zu Beginn des 15.Jahrhunderts war.
Wenn man zum Beispiel eine kleine leichte Kupferplatte zu stechen hat, so ergibt es sich von selbst, daß man sie mit der linken Hand festhalten muß, weil sie sonst durch den Druck der rechten Hand während der Stichelführung verschoben werden würde. Die weitere Folge ist, daß die Platte mit der linken Hand gedreht werden muß, um sie der Rechten lagegerecht zu bieten. Wenn man nun die Drehung während der Stichelführung vollzieht, ergibt sich eine Kurve wie von selbst. Die linke Hand wird nun die führende, während die Rechte nur den Stichel, nachdem sie ihn vorher in das Kupfer am richtigen Ort angesetzt, dem Druck der Linienführung entgegenzuhalten hat.
Aus diesem selbstverständlich erscheinenden Vorgang ergibt sich eigentlich alles, was für die Entwicklung vom Kupferstich bedeutungsvoll werden sollte.
Durch den Druck der sich vorwärts schiebenden Klinge entsteht rechts und links der Furche eine kleine Erhöhung, der Grat,der mit dem Schaber entfernt werden muß. Die Kanten müssen sehr rein geschliffen und gut abgezogen sein. Beim Abschaben des Grates muß er in der entgegengesetzten Richtung des gezogenen Striches derart geführt werden, daß er nur den Grat entfernt, aber nicht die Oberfläche des Kupfers zerkratzt.
Der Polierstahl vervollständigt die durch den Schaber geleistete Arbeit. Er muss immer blank sein. Sein Druck vermag die Wirkung zu stark gestochener Striche zu mildern.
Die Schleifnadel, eine scharf zugeschliffene Nadel, deren technische Bezeichnung "Kalte Nadel" lautet, dient zum Vorzeichnen und Anritzen der Zeichnung auf der Kupferplatte, bevor letztere gestochen wird.
Um die zuerst auf Papier angefertigte Zeichnung auf die Kupferplatte zu übertragen, muß letztere mit einer Schellacklösung in Spiritus überstrichen werden, weil auf dem blanken Kupfer eine solche Übertragung nicht haften würde. Die Pause wird bei größeren Arbeiten mit Blau- oder Rötelpapier oder bei kleineren durch Einritzung in Gelantine, dessen Furchen mit Graphit- oder Rötelpulver gefüllt werden, spiegelverkehrt übertragen, damit der Abdruck auf dem Kupferstiche die richtige Bildwirkung zeigt.
DER DRUCK VOM KUPFERSTICH
Hat der Kupferstecher sein Werk vollendet so wird die Kupferplatte auf einer Kupferdruckpresse gedruckt. Diese besteht aus einem Gestell, das zwei ein wenig abstehende schwere Stahlwalzen trägt, zwischen denen die zur Aufnahme der Kupferplatte dienende, durchziehbare, eiserne Druckplatte ruht.
Den Vorgang der Drucklegung hat Professor A.Friedrich wie folgt geschildert:
"Zu hohen Stapeln geschichtet, am Tage vor dem Druck durch ein Becken mit Wasser einzeln gezogen, warten die schweren, weißen ungeleimten Büttenpapiere eine Nacht lang auf den Drucktag. Die Feuchtigkeit des Wasserbades hat das Papier weich und lappig gemacht wie Löschpapier, leicht zerreißbar ist nun seine Formation.
Sechs dicke Tücher Filz sind auf den Drucktisch(Platte)der Presse gelegt, ihre Schrauben sind angezogen, die sogenannte Spannung ist hergestellt. Auf einer Art von Herd, vom Feuer durch eine Eisenplatte getrennt, liegt die fertige Kupferplatte. Schwarz und sämig ist die Kupferdruckfarbe zubereitet. Entnimmt ihr der Drucker durch Eintauchen eines Fingers einen Teil. Wie dicker Sirup zieht sich die Farbe und fällt langsam, ein klebriger Wurm auf das glänzende Metall. Die Hand des Druckers ergreift schnell einen riesigen schwarzen Pilz am faustdicken Stengel und zerstampft mit der kugeligen Wölbung den schwarzen Wurm. Heiß ist die Kupferplatte und die Druckerschwärze. Speckiges Schwarz hat bald die Platte gleichmäßig gedeckt. Mit Fingern verstreicht der Kupferdrucker kreuz und quer die Farbe, alle Ritzen und Tiefen sind eingestrichen. Stampft nochmals der fettschwarze Lederpilz auf der Platte herum. Kunstvoll gefaltetes Gazetuch beginnt die Kupferplatte abzustreicheln, hängt sich die Farbe in die Maschen des gestärkten Schleiers, wischt die Platte beinahe sauber. Klebt der Drucker den Ballen der rechten Hand an die Wölbung des fettschwarzen Pilzes, drückt er die Hand in einen Kasten mit Kreide und haftet die Kreide am Schwarz. Ein Kreidehäutchen bleibt in der Hand haften. So ist die Hand zum Wischen gerichtet. Halb schlagend,halb wischend überfährt diese Hand die Platte, entfernt von dert Oberfläche langsam die Schwärze, fährt wieder in den Kreidekasten und auf die Platte zurück.
Endlich erscheint der Glanz auf dem Kupfer wieder, nur die gestochenen Linien sind angefüllt mit Farbe, scharf und ungemein deutlich hebt sich die Zeichnung vom Hochglanze des Kupfers ab. Auf dem Preßtisch,noch warm, liegt die Platte,
blütenweißes, feuchtes Bütten legt sich darüber, sechs dicke Filztücher werden auch über dieses geschichtet. Das Rad wird gedreht - Pressplatte, Kupferplatte Papier und Tücher verschwinden zwischen der Wuchtung zweier sich drehender Walzen. Angekommen auf der anderen Seite, schnell zurückgeschlagen die Tücher, darunter das Papier leicht dampfend und die Platte durch Erhöhung sich abzeichnend. Faßt der Drucker an zwei Enden das Papier und zieht es langsam hoch, schlägt es um... das ist der Kupferstich."
ANDERE VERFAHREN KUPFERSTICH/KUPFERSTICHE
Die reine Grabsticheltechnik und eigentlich auch die Radierung bedient sich zur Herstellung vom Kupferstiche nur der Linien.
Durch die 1640 gemachte Erfindung der sogenannten Schab- oder Schwarzkunst durch Ludwig von Siegen können Kupferstiche mit wirklichen Halbtönen hergestellt werden.
Die Technik der Schabkunst, in Italien Mezzotinto (Farbhalbton), in Frankreich Gravure en maniére noire(schwarze Art)genannt, unterscheidet sich vom Kupferstechen und Ätzen dadurch, daß man bei den letzteren den Schatten in die Platte hinein, bei der ersteren aber das Licht aus der Platte herausarbeitet. Während man sonst die Platten gut polieren muß, macht man bei diesem Verfahren die Oberfläche so rauh und körnig wie es geht. Die Rauhheit muß allerdings sehr gleichmäßig sein. Das Rauhmachen geschieht durch sogenannte Wiegemesser, mit denen die Oberfläche der Platte in alle Richtungen geschnitten wird, wodurch sich ein dichtes Netz von Linien ergibt.
Danach erst beginnt der Stecher die Zeichnung aufzunehmen und er nimmt mit dem Schabeisen und Polierstahl die Lichter und Töne, die im Kupferstich Bild hell erscheinen sollen, heraus d.h. er vermindert hier die Rauhheit damit dort wenig oder gar keine Farbe haften bleibt. Die Arbeit geht hier vom Schwarzen ins Helle,vom Schatten ins Licht.
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