Buchrestaurierung und Restaurierung antiker Pergamentblätter
Buch und Pergamentblätter Restaurierung
Die ersten mit beweglichen Typen gedruckten Bücher erschienen im 15. Jahrhundert in Deutschland. Die Einbände waren damals meist aus Leder oder Pergament.wertvolle Bücher waren mit Holz-Elfenbein- oder Silberdeckeln versehen.
Im 19. Jahrhundert kamen dann Leinen Bucheinbände in Gebrauch.
Bücher werden sehr leicht von Insekten befallen. Silberfischchen beispielsweise gedeihen bei Feuchtigkeit und ernähren sich von Schimmel, altem Leim u.ä. Eine gewisse Schabenart ernährt sich ähnlich und sucht dabei die Wärme. Bücherläuse fressen Schwammpilze und Ledereinbände. Holzwürmer fressen alles an einem Buch.
Die beste Möglichkeit Insektenbefall zu verhüten ist absolute Sauberkeit. Man sollte die Bücher regelmäßig abstauben und nach Möglichkeit hinter Glas in die Regale stellen. Man kann die Regalbretter mit einem Insektizid besprühen oder mit einem Insekten abstoßenden Lack lackieren.
Falls aus einem Buch eine Seite zur Restaurierung entnommen werden soll, lege man an ihren Rißrand einen nassen Faden. Nach ca. 1 Minute läßt sich die Seite ganz leicht herausnehmen.
Nach der Behandlung klebe man die Seite mittels Mehlkleister wieder ein und unterlege dabei die genau angepaßte Rißstelle mit einem Streifen Japanseidenpapier oder säurefreiem Seidenpapier.
Ledereinbände
Ledereinbände sind, da sie Schwefelsäure aus der Luft absorbieren, dem chemischen Verfall ausgesetzt. Dieser Verfall macht sich zunächst durch Risse am oberen inneren Rückenfalz bemerkbar. Hat die Zerstörung ihren Höhepunkt ereicht, zerfällt das Leder in ein rötlich-braunes Pulver. Die modernen Ledereinbände werden vor dem Binden daher mit einer Kaliumlaktat Lösung behandelt. Diese dürfen niemals mit Wasser gereinigt werden, da das Wasser den gebildeten Schutzfilm auflösen würde.
Ist der Bucheinband extrem verschmutzt, wasche man ihn mit Wasser und Seife ab und lasse das Buch geöffnet aufrecht stehen und an der Luft trocknen.
Danach kann der Einband mit einem Lederpflegemittel behandelt werden., das sich mit einer mit Blei oder Pottasche versetzten Lösung zu einem Oberflächenschutz ausbildet, der wiederum mit Hilfe von Metalloxyden getönt werden kann. Ein ähnlicher Überzug wird auch für andere pulvrig zerfallende Materialien wie etwa unglasiewrte Töpferware verwendet, um durch größere Härte und Stoßfestigkeit die Lebensdauer solcher Gegenstände zu verlängern.
Man erhält zum Beispiel beim Britischen Museum eine Leder Appretur(British Museum Leather Dressing)oder man nimmt ein Mikrokristallinwachs. Man reibt den Ledereinband damit ein, lasse die Appretur zwei Tage einwirken und poliere das Buch dann. Dies gilt nicht für Velour- oder Wildledereinbände. Diese müssen mit einem körnigen Reinigungsmittel, einem Spezialtuch oder Radiergummi gereinigt werden, weil damit der Schmutz entfernt wird, ohne die Oberfläche zu verletzen. Hartnäckige Flecken kann man vorsichtig mit Trichloräthylen entfernen.
Pergamenteinbände
Pergament(nach der kleinasiatischen antiken Stadt Pergamon benannt) war im Vorderen Orient schon im 2. Jahrhundert v.Chr. bekannt. Es wurde aus Tierhäuten, meist Schaft- aber auch Ziegen- oder Kalbfellen gewonnen, die geäschert, von Haaren und Fleisch befreit, gespalten, abgeschabt und gespannt und schließlich auf beiden Seiten mit Bimsstein abgerieben wurden.
Pergament wurde seit der antike für Schriftrollen, Urkunden und Bücher verwendet.
Pergament darf keinen extremen Umwelteinflüssen ausgesetzt und muß stets so trocken wie möglich gehalten werden.
Bucheinbände aus Pergament können mit einem Schwamm und etwas Waser gesäubert und bei Zimmertempratur getrocknet werden.(aber ! nachstehendes beachten) Danach trägt man die vorstehend erwähnte Appretur ganz dünn auf, da Pergament nicht allzu gut absorbiert. Nach ein paar Stunden läßt sich der Einband polieren. Um den Cremeton von Pergament zu seiner ursprünglichen Schönheit zu verhelfen, reibe man den Einband mit einem mit Milch benetzten sauberen,weichen Tuch ab.
Pergament darf auf keinen Fall mit Wasser besprenkelt werden, da ein Anfeuchten einzelner Stellen ein Kräuseln des Pergaments zur Folge hat. Ebenso sollte man Flecken nicht ausbleichen, da Pergament mit zunehmendem Alter auf natürliche Weise vergilbt und ausgebleichte Stellen sich sehr unvorteilhaft abheben würden.
Fett- und Wachsflecke lassen sich mit Benzol entfernen, nachdem man zuvor überschüssiges Wachs sorgfältig mit einem scharfen Messer abgeschabt hat.
Das häufigste Problem ist aber tatsächlich das von Feuchtigkeit verzogene und runzlig gewordenes Pergament. Verwerfungen und Runzeln und Kräuselungen können behoben werden, vorausgesetzt, das Pergament hat keine Vergoldung oder Bemalung(dann kann dies nur ein Experte). Zunächst fixiere man die Tusche oder Tinte auf dem Pergament durch hauchdünnes Auftragen einer Acrylharzlösung. Dabei ist durch vorheriges Testen an einer unauffälligen stelle sicherzustellen, daß die Tusche sich durch dieses Verfahren nicht verflüssigt. Sollte dies der Fall sein gilt das o.a.(Experte). Greift die Lösung nicht an, lege man das Pergament, sobald es schlaff aber nicht zu naß ist, auf eine zuvor mit Champagnerkreide polierte Glasplatte um alle Fettspuren zu entfernen. Man bedecke das Pergament mit einem Bogen trockenen Fließpapiers und beschwere dieses mit Gewichten, so daß das Pergament fest gegen das Glas gepreßt wird. Im Idealfall sollten diese Gewichte band- oder streifenförmig, also länglich sein und auch nicht so schwer, damit das Pergament während des Trocknens genügend Spielraum hat, um sich glätten zu können.
Dieses verfahren ist eine sehr delikate Arbeit, die an einem wertvollen Stück nicht ohne vorheriges reichliches Üben ausgeführt oder gar probiert werden sollte. Außerdem sei darauf hingewiesen, daß Pergament infolge seiner ungleichmäßigen Dichte kaum jemals völlig glatt ist, und daß man daher nur besonders stark aufgestandene Stellen zu glätten versuchen sollte.
Risse lassen sich reparieren, vorausgesetzt die Rißränder sind abgeschrägt oder ausgefasert. Sie werden hauchdünn mit einer verdünnten 10%tigen Essigsäurelösung bestrichen,die die Fasern gelatiniert, und zwischen zwei Fließpapierbogen zusammengepreßt. Einschnitte und fehlende Ecken bleiben dem Experten überlassen.
Pilzbefall muß durch fachmännische Ausräucherung bekämpft werden; lediglich Schimmelsporen können vorsichtig abgebürstet werden.
Leineneinbände
Reinheit und Leuchtkraft der Farben können mit einem Leineneinband mit Hilfe eines handelsüblichen Reinigungsmittels zurück gegeben werden. Man sollte es stets mit einem weichen Tuch auftragen und niemals die Flüssigkeit direkt auf den Einband bringen, da dieser sonst fleckig wird. Für schwierigere Arbeiten wie den Bucheinband erneuern, einen defekten Rücken zu ersetzen etc bediene man sich lieber eines Buchbinders.
Ausgefaserte Buchecken bestreiche man mit Holzleim und presse dann die Ecken fest zusammen.Nach Trocknung sind sie wie neu und können ggf. mit Leder bespannt werden.
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