Die Restaurierung von Papier
Tipps und Tricks zur Restaurierung von Papier
Qualitätspapier wurde und wird auch heute noch aus mit Gallerte(Gelantine) geleimten Baumwoll- und Leinenlumpen hergestellt. Ein Papier geringerer Qualität wurde um 1800 aus Strohfasern und um 1840 aus Holzpulpe entwickelt und mit Colophonium und Alaun geleimt.
Ideal für Papier ist eine relative Luftfeuchtigkeit von etwa 16°. Zum Schutz des Papiers kann man es gegen Pilz-und Schimmelbefall sterilisieren. Man taucht weißes Fließpapier in eine 10%tige Lösung von Thymol und Alkohol und durchschieße damit das zu schützende Papier. Leider muß dieses Verfahren alle sechs Monate wiederholt werden.
Bei einem Druck kann die Rückseite des Papier mit der Thymollösung bestrichen werden.
Die Reinigung des Papiers versucht man zuerst im Trockenverfahren. Der Schmutz wird durch behutsames Reiben mit einem nicht zu weichem Radiergummi(aus Gummi, nicht aus Kautschuk, da dieser die Papieroberfläche abträgt) entfernt oder aber mit einem handelsüblichen Reinigungspulver, das den Schmutz herauszieht, ohne die Papieroberfläche anzugreifen.
Ebenso kann man es mit Stücken aus der weichen Mitte eines Weißbrots versuchen, die durch neue zu ersetzen sind, sobald sie schmutzig werden. Mit den schmutzigen Stücken könnte man sonst den Schmutz in das Papier einreiben.
Papier kann auch durch Eintauchen in Wasser gesäubert werden. Dazu lege man es auf eine Unterlage aus Glas oder Polyäthylen und lasse es etwa eine Stunde lang in einem kalten, destillierten Wasserbad weichen, das danach von einem heißen Wasserbad abgelöst wird. Fotografische Entwicklerschalen sind für diese Zwecke ideal. Löst sich der Schmutz nicht, kann man es mit Seife versuchen, die man mit einem weichem Malerpinsel schaumig aufträgt. Die Seife muß dann wieder sorgfältig abgespült werden, da Seifenreste zum Vergilben des Papiers führen. Es kann auch eine halbe Stunde in Nekanil eingeweicht werden und muß danach gründlich ausgespült werden. Feuchtes Papier darf niemals an den Ecken hochgehoben werden, da es sehr leicht reißt. Es wird zwischen zwei Bogen weißen Fließpapiers und unter Glas getrocknet, damit es glatt bleibt.
Einzelne Flecken lassen sich folgender Maßen behandeln:
- Öl-Fett- Teerflecke können mit Benzol oder Pyridin unter leichtem Tupfen mit Watte entfernt werden. Man kann das Papier auch zwischen mehrere Lagen Fließpapier legen und preßt dann ein heißes Bügeleisen darauf, um den Fleck herauszuziehen. Dieses Verfahren kann beispielsweise bei Wachsflecken angewendet werden, man kann es aber auch mit Tetrachlorkohlenstoff und Benzol beseitigen.
- Kaffee- und Teeflecke werden mit einer 25tigen Calciumperborat Lösung entfernt. Die Stelle wird zunächst mit kaltem Wasser angefeuchtet und dann die Lösung aufgetupft. Läßt man dann das Papier in der Sonne trocknen ist er nach ca. zwei Stunden verschwunden. Danach muß das Blatt gespült werden und wiederum trocknen. Eine etwa zurück gebliebene leichte Verfärbung läßt sich mit einer Chloramin T-Lösung ausbleichen.
- Fliegenschmutz läßt sich mit einer Lösung aus Alkohol und Wasserstoffsuperoxyd(20%) zu gleichen Teilen entfernen, die man mit einem feinen Kamelhaarpinsel auf die Schmutzspuren aufträgt.
- Die Art und Weise des Entfernens von Tintenflecken hängt von der Art der verwendeten Tinte ab. Man versuche sie durch Aufpinseln einer 2%tigen Chloramin T-Lösung auszubleichen oder mit Hilfe einer 5%tigen Oxalsäure Lösung oder einer 10%tigen Zitronensäure Lösung. Nach der Behandlung muss das Papier gründlich abgewaschen werden.
Pilz- und Schimmelspuren kommen auf Papier sehr häufig vor, weil es die Luftfeuchtigkeit absorbiert und Kleister sowie Buchbinderleim eine ausgezeichnete Pilznahrung darstellen. Bei starkem Befall sind die Stellen schwärzlich gefärbt. Am bekanntesten sind die orange-braunen Stockflecke. Derart befallenes Papier muß unverzüglich behandelt werden, da der Pilz sehr rasch um sich greift. Einige Pilz- und Schimmelsporen lassen sich durch Abbürsten beseitigen. Danach lasse man das Papier, um weiteres Pilzwachstum zu verhindern,in einem luftigen und sonnigen Raum offen liegen. Leichte Verfärbungen lassen sich durch Abwaschen beheben.
Alle nach dieser Behandlung verbleibenden Flecke müssen ausgebleicht werden. Das sicherste und schonenste Bleichmittel ist Chloramin T, da es keinerlei korrodierende Rückstände im Papier enthält. Man mische dieses Pulver mit destilliertem Wasser zu einer 2-3%tigen Lösung und lege das zuvor in kaltes Wasser getauchte Papier einige Minuten lang in dieses Bad, nehme es heraus und trockne es dann zwischen weißen Fließpapierbogen unter Glas. Einzelne Flecken können auch dadurch ausgebleicht werden, indem man die Lösung mit einem weichen Malpinsel auf die betroffene Stelle aufträgt.
Ein Fachmann wird wahrscheinlich stärkere Bleichmittel verwenden, aber es ist in jedem Fall darauf zu achten, daß Papier,Stiche und Kunstdrucke nicht übermäßig d.h. zu einem unnatürlichen Weiß ausgebleicht werden.
Falten und Runzeln lassen sich dadurch entfernen, das man das Papier in Wasser taucht, auf eine saubere Glasplatte legt, alles überschüssige Wasser mit Fließpapier beseitigt und dann trocknen läßt. Man kann Runzeln auch mit einem heißen Bügeleisen ausbügeln, muß aber dann ein weiteres Stück Papier auf das zerknitterte legen, damit es nicht versengt.
Risse im Papier sollten mit einem Mehlkleister repariert werden, der dünn und gleichmäßig, nicht etwa in Klümpchen aufzutragen ist. Die geklebte Stelle wird unter Glas oder in einer Presse getrocknet. Ein bequemeres Verfahren ist das Verwenden von gebrauchsfertigem Tapetenkleister. Kleine Löcher im Papier können dadurch repariert werden, daß man das Loch mit Japanseiden- oder säurefreiem Seidenpapier hinterlegt und das Loch mit einem aus Zellulose Klebstoff und destilliertem Wasser gemischten Zellulose-Füllstoff ausfüllt. Der Füllstoff wird mit Tee oder Wasserfarbe zum Papier passend eingefärbt. Selbstklebestreifen dürfen niemals verwendet werden, da sie stark verfärben und außerdem dazu neigen, nach relativ kurzer Zeit zu brechen.
Das Ersetzen oder Ergänzen von größeren Papierstücken ist dem Fachmann zu überlassen, da nur dieser die zahlreichen auf dem Markt befindlichen Papiermarken kennt und daher nur er in der Lage ist, das fehlende Stück in passendem Papier zu ergänzen.
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